Doping fürs Volk

Erfolgreich, dynamisch, schön und gesund, wer möchte das nicht sein?! Diese Begriffe sind in unserer Gesellschaft stark positiv besetzt und absolut erstrebenswert. Unsere Leistungsgesellschaft überträgt den Druck erfolgreich zu sein auf alle Bereiche. Wenn Profisportler wie Fußballer, Leicht- oder Biathleten mit Dopingmitteln nachhelfen, dann rümpft man vor dem Fernseher nur verächtlich die Nase. Dabei leben diese Sportler von Erfolgen und setzten auch für ihre berufliche Existenz ihre Gesundheit aufs Spiel. Beim nächsten Dopingskandal hört man Leute entrüstet rufen: wie können diese Sportler nur so tief sinken!?!

Wie steht es mit Ihnen?

Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Pülverchen, dass sie energiegeladen werden lässt, dass Ihnen bei Prüfungen oder schwierigen Jobmeetings das Gehirn mit Energie versorgt. Wenn die Kinder mal wieder nerven oder Sie Sport treiben wollen, essen oder trinken sie das gelöste Pulver und können „höher, schneller, weiter“. Kein Nachmittagsloch mehr. Sobald Sie sich müde fühlen, gibt es etwas „Zauberpulver“. Es kostet auch nur wenige Cent. Klingt verlockend?! Nebenwirkungen? Naja, wissenschaftliche Studien belegen zwar, dass bei übermäßiger Einnahme früher oder später mit zahlreichen Krankheiten gerechnet werden kann, aber es gäbe auch immer wieder Menschen bei denen das Pulver der Gesundheit scheinbar keinen Abbruch tut. Wie steht es mit Ihnen? Würden Sie sich das Mittelchen besorgen? So für alle Fälle? Wenn es denn mal sein müsste? Nur in Notsituationen natürlich!

Denken Sie darüber nach!

Sie und ich und der aller, aller größte Teil der Bevölkerung werfen sich das Mittel quasi täglich ein: Zucker! Doping fürs Volk! Um das klar zu stellen, ich rede hier nicht von den generell als böse geltenden Kohlenhydraten! Ich rede explizit vom künstlichen Industriezucker. An ihm ist nichts natürlich und teilweise wird bei der Herstellung mit Chemie nachgeholfen.

Ich höre oft von Menschen: ich brauche keine Nahrungsergänzung, ich nehme nur natürlich Dinge zu mir. Zucker ist alles andere als natürlich und er ist bei erhöhtem Konsum schädlich. Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation WHO oder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE, sind sich nicht einig wie hoch die genaue Menge ist, die als unbedenklich gilt. Einig sind sie sich aber, dass ein regelmäßiger und/oder hoher Konsum der Gesundheit erheblich schadet. Zucker bring nach dem Verzehr erst einmal unseren Hormonhaushalt durcheinander und unser Körper muss das Gleichgewicht wiederfinden. Zucker hat einen negativen Effekt auf unsere Darmflora, die gerade in Zeiten von Corona ein wichtiger Faktor im Erhalt der Abwehrkräfte ist. Unsere Gesellschaft hat eine Gehirnwäsche hinter sich. Wer Nahrungsergänzung ablehnt, aber ein Stück Kuchen isst, der hat es nicht verstanden! Ich persönlich esse sehr wohl Zucker. Ich bin mir bewusst was ich da tue und ich denke immer öfter darüber nach, ob es vielleicht sogar in kleinen Mengen großen Schaden anrichten kann. Immer mehr Menschen lehnen Zucker ab und verzichten mitunter sogar ganz darauf.

Um das in aller Klarheit festzuhalten: Wenn Sie Zucker essen, dann nehmen Sie ein künstlich hergestelltes, unnatürliches Produkt zu sich. Eine Substanz, die nachgewiesener Maßen schädliche Nebenwirkungen hat und eine Art Suchtverhalten hervorrufen kann. Und diese Substanz ist leistungssteigernd.

Was ist die Lösung?

Bei der richtigen Ernährung scheiden sich die Geister. Vegetarisch, Vegan, Low-Carb, High-Carb oder Atkins, alle Diätformen nehmen für sich in Anspruch die einzig wahre und richtige Ernährungsform zu sein. Jede einzelne hält Beispiele bereit, die dafür als Beweis dienen sollen. Ohne überhaupt nur auf einen der jeweiligen Beweise und Beispiele eingehen zu müssen, kann man alles hinwegwischen, indem man sich ansieht, wie unsere Vorfahren lebten und wie sich heutige Naturvölker ernähren. Die noch wenigen, „natürlich“ lebenden Menschen unterscheiden sich oft meilenweit von ihren Ernährungsgewohnheiten. Dennoch kann man nicht erkennen, dass es eine bessere oder überlegene Ernährung darunter gäbe. Oft ernähren sich die Naturvölker sogar wenig abwechslungsreich und werden trotzdem nicht krank. In den eisigen Polarregionen der Erde gibt es häufig nur Fisch und Eier zu verspeisen. In tropischen Gebieten oder im Hochland besteht die Nahrung mitunter lediglich auch Früchten oder stärkehaltigen Pflanzen.

Der Mensch ist von Natur aus in der Lage die drei Nährstoffe Fett, Kohlenhydrate und Proteine zu verstoffwechseln. Unser Darm und unsere Zähne sprechen eine klare Sprache: der Mensch ist Allesfresser. Eine ethische Bewertung – wie das Essen tierischer Produkte – will ich an dieser Stelle nicht vornehmen. Generell ist der Mensch in der Lage alle drei Nährstoffe zu nutzen und es bleibt gesunden Menschen überlassen, wie sie ihre Ernährung gestalten.

Die Gesellschaft findet immer wieder neue Ernährungstrends. Seit einigen Jahren werden Kohlenhydrate verteufelt und als Ursprung der verbreiteten Fettleibigkeit angesehen. Wie man am Beispiel zahlreicher Naturvölker sehen kann, die sich überwiegend kohlenhydratreich ernähren, können Kohlenhydrate alleine nicht das Problem sein. Kohlenhydrate und Zucker gleichzusetzen ist schlichtweg falsch. Auch wenn alle Kohlenhydrate früher oder später in unseren Körperzellen als Einfachzucker ankommen, so sind die komplexen Kohlenhydrate aus der Natur eben kein Haushaltszucker.

Dennoch kann der Mensch ohne Zucker bzw. Kohlenhydrate leben und immer mehr Menschen wollen und tun dies auch. Neben den sogenannten Low- oder Slow-Carb-Diäten, bei denen man Kohlenhydrate (im Englischen carb=carbohydrate) stark einschränkt oder nur noch solche isst, die den Zuckerspiegel langsam ansteigen lassen, gibt es eine weitere extremere Form: Die ketogene Ernährung.

Ketogene Ernährung

Entzieht man dem Körper Zucker, dann merkt unser Gehirn dies als erstes. Unterzucker mit Zittern, Schwächegefühl oder Konzentrationsproblemen kennt jeder von uns. Unser Gehirn lebt unmittelbar von Zucker. Die meisten Fettsäuren kann unser Hirn nicht als Energie nutzen. Daher fällt uns das Abnehmen oft schwer, weil unser Gehirn in Energiemangel gerät und uns ein ungutes Gefühl verschafft. Bei einer längeren Fastenperiode fällt dieses ungute Gefühl im Verlauf des Fastens plötzlich weg, der Kopf wird klar und man könnte Bäume ausreißen. Was ist geschehen? Wo bleibt der Unterzucker? Geht dem Körper der Zucker aus, muss er das Gehirn weiter mit Energie versorgen. Dazu werden in der Leber aus Körperfett Energiebausteine hergestellt, die über die Blutbahn ins Gehirn und auch in andere Körperzellen und die Muskulatur gelangen. Diese Energieträger heißen Ketonkörper oder kurz Ketone. Stellt die Leber Ketone her, dann lässt sich das über Blut oder Urin messen. Sobald die Konzentration einen bestimmten Wert übersteigt, nennt man diesen Zustand Ketose. Aber auch wenn man nicht fastet, kann der Körper Ketone produzieren. In geringem Maß entstehen die Ketone bei intensivem Sport oder beim moderaterem Intervallfasten. Meist werden dabei aber nur wenige Ketonkörper erzeugt und man spricht nicht von Ketose.

Für unsere Vorfahren war dieser Mechanismus wichtig, um in Zeiten von Nahrungsmangel das Überleben zu sichern. Aber auch wenn sehr wenige Kohlenhydrate gegessen werden, kann man in den Zustand der Ketose gelangen. Naturvölker, die in den arktischen Regionen leben, ernähren sich oft nur von Fett und Eiweiß. Fisch, Eier und Wildtiere sind dann lange Zeit die einzige Nahrung.

Babys haben den Dreh raus

Die ketogene Ernährung wird in der Medizin eingesetzt, da die Ketone eine Art Signalwirkung im Körper entfalten und damit positive Effekte auf die Gesundheit haben. Seit langem wird die Ketogene Ernährung bei Formen der Epilepsie angewandt und seit kurzem auch bei Alzheimer. Ein Einsatz bei Typ 2 Diabetes könnte demnächst folgen. Sobald wir Menschen auf die Welt kommen, befinden wir uns als Baby im Zustand der Ketose. Unser Körper ist in der Lage schon nach wenigen Stunden ohne Nahrung Ketone zu bilden. Das Überleben im Säuglingsalter wird so gesichert. Auch mit dem Stillen verliert sich die Fähigkeit Ketone in hohem Umfang zu bilden in den ersten Lebensmonaten zunächst nicht.

Mit einer Low-Carb-Ernährung erreicht man den Zustand der Ketose nicht. Um in Ketose zu gelangen, darf der Kohlenhydratanteil in der täglichen Nahrung nicht mehr als 20 bis 60 Gramm ausmachen. Die genaue Menge ist individuell verschieden. Auf große Mengen an Protein muss ebenfalls verzichtet werden, da der Körper aus Protein Kohlenhydrate bilden würde. Damit der Körper wieder lernt Ketone zu bilden, braucht es einige Zeit. Zwischen 3 Wochen und 2 Monaten können mit einer ketogenen Ernährung vergehen, bis ausreichend Ketone gebildet werden. Bis dahin fühlt man sich oft schlapp und energielos.

Vielleicht das neue Wundermittel?

Der Zustand der Ketose und das Vorhandensein von Ketonen im Körper hat viele positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Wie man beim Fasten beobachten kann, fühlt man sich wacher und voller Energie. Untersuchungen belegen, dass sich die Schlafqualität verbessert. Die Insulinsensitivität erhöht sich, was bei Krankheiten wie Typ 2 Diabetes mit Insulinresistenz der Krankheit entgegenwirkt. Ketone wirken Entzündungen im Körper entgegen und es zeigten sich Erfolge in Krebstherapien. Die ketogene Ernährung ist jedoch sehr fettreich. Es kann bei einigen Personen zu Problemen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen und auch Darmbeschwerden sind möglich.

Mittlerweile gibt es Ketone als Nahrungsergänzungsmittel, die in medizinischen Therapien zu Anwendung kommen. Im Leistungssport werden Ketone ebenfalls immer öfter eingesetzt, da sie als Energieträger zusätzliche Leistungssteigerung bewirken, die Fettverbrennung erhöhen und die Regeneration fördern.

Haushaltszucker und Weißmehl sind nicht das Gleiche

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Ketone sehr gute Auswirkungen auf den Gesundheitszustand haben. Mit einer ketogenen Ernährung muss man jedoch zahlreiche Abstriche machen. Die Breze im Biergarten oder das Stück von Omas Kuchen sind dann nicht mehr möglich. Wie medizinische Untersuchungen mit Ketonen zeigen, hat die ketogene Ernährung aber ihre Berechtigung und geht über den bloßen „Hungerstoffwechsel“ hinaus. Sicher ist es nicht eine Ernährungsform, die von der Natur für ein ganzes Menschenleben vorgesehen ist. Der Mensch kann auch mit kohlenhydratreicher Nahrung gesund sein. Der häufige Einsatz von Industriezucker bleibt aber in Frage zu stellen. Rein chemisch ist der Haushaltszucker etwas anderes als die Stärke in Kartoffeln, Reis oder Nudeln. Haushaltszucker, Saccharose genannt, ist ein Zweifachzucker, der aus einem Teil Glukose (Traubenzucker) und einem Teil Fruktose (Fruchtzucker) besteht. Diese Kombination der beiden Einfachzucker kommt in dieser Konzentration nur in Obst und Honig vor. Früchte enthalten jedoch gleichzeitig einen hohen Ballaststoffanteil, wodurch der Zucker nicht unmittelbar in voller Menge ins Blut gelangt. Vor allem gesüßte Getränke und Fruchtsäfte stehen aber mehr und mehr in Verdacht, zahlreiche Krankheiten auszulösen. Die besondere Kombination aus Glukose und Fruchtzucker bringt in konzentrierter Form den Stoffwechsel durcheinander. Die Details hier auszuführen würde ein ganzes Buchkapitel füllen. Jedoch gehen zahlreiche Zivilisationskrankheiten auf das Konto des künstlichen Zuckers.

Wir müssen uns vom Gedanken Zucker ist gleich Kohlenhydrate und Kohlenhydrate sind böse verabschieden. In der Alltagsernährung lässt sich eine zuckerfreie Ernährung umsetzen. Für Profisportler ist es gerade in harten Trainings und Wettkämpfen entscheidend möglichst viel Leistung bringen zu können. Der Griff zum weißen Pulver, der Volksdroge Zucker, ist dabei das gängigste Mittel.

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