Der Q-Faktor beim Fahrrad ist der horizontale Abstand zwischen den Außenflächen der beiden Kurbeln. Er wird auch als Pedalabstand, Kurbelbreite oder Tretlagerabstand bezeichnet und gibt demnach an wie weit die Pedale links und rechts voneinander entfernt sind. Der Begriff Q-Faktor, englisch Q-Factor, ist die Kurzform von Quack-Factor, wobei sich Quack auf das englische Wort Quacking, zu Deutsch Watscheln einer Ente, bezieht. Allerdings ist für dem Abstand der Füße zueinander nicht nur die Kurbelbreite, sondern auch die Breite der Pedale mitentscheidend. Die Breite zwischen den Füßen ist die sogenannt Standbreite. Bei einigen Pedalen wird ein sogenannter Q-Faktor angegeben, der definitionsgemäß nicht mit dem Q-Faktor übereinstimmt, für den Fahrer aber einen Unterschied machen kann und berücksichtigt werden sollte. So ergibt sich die Standbreite letztlich aus der Kombination der Pedalbreite und Länge der Pedalachse sowie den gewählten Schuhplatten und Art deren Einstellung.

Warum ist der Q-Faktor wichtig?
Der Q-Faktor nimmt Einfluss auf die Bewegungsökonomie. Ein kleinerer Q-Faktor ermöglicht meist eine natürlichere, geradere Beinbewegung und kann effizienter sein. Der individuell „richtige“ Q-Faktor ist wichtig für den Komfort beim Fahren und für die gesunde Ergonomie. Ein zu großer oder zu kleiner Q-Faktor kann Knie- oder Hüftprobleme verursachen. Es gilt den Q-Faktor zu finden bei dem die mechanische Gesamteffizienz maximal und die Knievariabilität gering ist. Da die Beanspruchung der Muskulatur jedoch auch mit der Neigung des Geländes ändert, wird es zusätzlich schwierig unter Laborbedingungen die optimalen geometrischen Einstellungen zu treffen. Mountainbikes haben oft einen größeren Q-Faktor. Dies hast verschiedene Gründe. Breiterer Reifen und Kettenstreben erzwingen mitunter einen größeren Q-Faktor. Unterschiedliche Kurbeln, Pedale und Tretlager beeinflussen in ihrer Kompatibilität den Q-Faktor. Aber auch die Fahrstabilität nimmt mit einem größeren Q-Faktor zu. Bei schmalem Q-Faktor verringert sich die Stirnfläche und es kommt zu einer vermeintlich besseren Aerodynamik. Vermeintlich vor allem auch deshalb, weil der Q-Faktor Einfluss auf die Sitzposition nehmen kann und ein schmaler Q-Faktor mitunter zu einer ungünstigen Sitzposition führt.
Typische Werte für unterschiedliche Fahrradtypen sind (Abweichungen möglich):
- Rennrad: ca. 135 – 150 mm
- Bahnrad: < 135 mm
- Gravel: 140-160 mm
- MTB: (je nach Typ) 155 – 190 mm
- Fatbikes: > 200 mm
Kaum jemand wählt jedoch sein Fahrrad nach dem Q-Faktor aus. Um bei bestehenden Q-Faktor die in der Praxis wichtige Standbreite zu beeinflussen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Wie bereits erwähnt kann auf Pedale mit unterschiedlicher Geometrie zurückgegriffen werden. Schuhe und Cleats bieten weitere Einstellungen.
Je sportlicher und vorgeneigter das Becken, desto schmaler sollte der Q-Faktor/Standbreite sein. Je aufrechter und entspannter das Becken, desto breiter darf bzw. sollte Q-Faktor/Standbreite sein.

Achtung Geschlechtsunterschiede!
Viele Erkenntnisse über optimale Rad-Biomechanik stammen aus Studien, in denen überwiegend Männer getestet wurden. Frauen unterscheiden sich aber deutlich in Hüftanatomie, Beckenstellung, Beweglichkeit und muskulärer Kontrolle. Frauen haben eine andere Beckenmechanik beim Sitzen & Treten. Leider wird dies bei den meisten Bikefittings nicht berücksichtigt und die Bikefittings orientieren sich an Erkenntnissen, die an Männern gewonnen wurden. Dies kann auch für Frauen stimmig sein, aber die Gefahr ist groß, dass Frauen in Positionen gezwungen werden, bei denen sie ihre Kraft nicht optimal entfalten können. Frauen können das Becken leichter nach vorne kippen (anterior tilt). Das Gewicht und der Druck können sich breiter am Sattel verteilen und vom Schwerpunkt weiter nach vorne rutschen. Dadurch entsteht natürlicherweise eine schmalere Beinachse. Frauen haben mehr Hüftinnenrotation und Außenrotation. Das Knie kann so gerader nach oben laufen, selbst wenn die Füße etwas schmaler stehen. Frauen haben breiteres Becken, aber NICHT breitere Kniebahnen. Breiteres Becken heißt damit nicht automatisch auch breitere Tretbewegung. Tatsächlich laufen die Knie vieler Frauen enger als bei Männern. Frauen bilden leichter ein „natürliches Hohlkreuz“ in Vorneigung. Das stabilisiert die Hüfte und erlaubt schmalere Kurbelabstände ohne die Knie nach außen zu drücken. Das heißt: Frauen vertragen biomechanisch oft einen SCHMALEREN Q-Faktor als Männer gleicher Größe. Während Lenkerbreite und Kurbellänge mittlerweile an kleinere/schmalere Fahrer angepasst werden, gibt es bei Kurbelbreite und Pedalachsenlänge nur einen unisex (männlichen) Standard.

Ein anderes, sehr kontroverse diskutiertes Thema ist die optimale Kurbellänge. Die Längen der Kurbel bewegen sich i.d.R. zwischen 165 und 175 Millimeter. Vereinzelt findet man bei kleinen Rädern auch 160 Millimeter. Die Kurbellänge orientert sich in erster Linie an der Körpergröße. In die Schlagzeilen schaffte es das Thema in jüngster Zeit dadurch, dass der Weltmeister Tadej Pogacar mit einer Körpergröße von 1,76 m von einer 172,5mm-Kurbel auf 165 Millimeter wechselte. Dabei war Tadej Pogacar nicht der erste, der eine radikale Verkürzung vollzog. Die Kurbellänge kann ebenfalls Einfluss auf die optimale Standbreite nehmen, da sich hier die Knielinie ändern kann (nicht muss).

Generell nimmt auch die Sitzposition und die Hüftausrichtung durch Muskulatur großen Einfluss. Daher ist es wichtig die individuelle Konstitution zu kennen. Hier hilft es ggf. mit Flatpedals ohne Klicksystem zu testen: Wo befindet sich der Fuß, wenn sich die Tretbewegung am besten anfühlt? Das Knie sollte möglichst senkrecht über dem Fuß arbeiten.
Mein Fallbeispiel: Ich persönlich habe eine leicht nach innen rotierte rechte Hüftschaufel (muskuläre Ursache). Dies führt zu mehr Druck am Sattel linksseitig, mehr Zug linksseitig und dazu, dass ich links von der Beinachse anders gestellt bin als rechts. Mein linkes Knie fällt etwas nach innen und benötigt eigentlich einen größere Abstand zwischen Kurbel und linkem Fuß. Dies zeigen gut die Aufzeichnungen mit meinen Wattpedalen. Mein linker Fuß hat seinen Leistungsschwerpunkt an der Fußaußenkante. Tatsächlich fühle ich mich bei meinen Rädern mit größerer Standbreite auch wohler. Da ich – wie die meisten Menschen – nicht symmetrisch bin, ist es eine Herausforderung die optimale Standbreite zu ermitteln. Gefühlt kann ich mit mehr Standbreite mehr leisten und in der Theorie müsste das auch stimmen. Dies ist schwer nachzumessen, da fast alle Wattsysteme bzw. Wattpedalle nicht in der Lage sind die Leistung entlang der Pedalachse darzustellen. Für mich heißt das: am Rennrad die Cleats mehr nach innen zu verlagern und bei meinen Gravelbikes mit SPD-System Pedale mit längerer Pedalachse zu wählen.

Kurz: Der Q-Faktor bzw. die Standbreite sind zwei wichtige Faktoren, die noch viel zu wenig Beachtung bekommen. Frauen vertragen biomechanisch oft einen schmaleren Q-Faktor als Männer gleicher Größe. Generell ist der optimale Q-Faktor bzw. die Standbreite aber eine sehr individuelle Metrik, die bei einem Bike-Fitting unbedingt berücksichtigt werden sollte.
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Literatur:
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Bieuzen F, Lepers R, Vercruyssen F, Hausswirth C, Brisswalter J. Muscle activation during cycling at different cadences: effect of maximal strength capacity. J Electromyogr Kinesiol. 2007 Dec;17(6):731-8. doi: 10.1016/j.jelekin.2006.07.007. Epub 2006 Sep 22. PMID: 16996277.
Disley BX, Li FX. Metabolic and kinematic effects of self-selected Q Factor during bike fit. Res Sports Med. 2014;22(1):12-22. doi: 10.1080/15438627.2013.852093. PMID: 24392768.
Thorsen T, Hummer E, Reinbolt J, Weinhandl JT, Zhang S. Increased Q-factor increases medial compartment knee joint contact force during cycling. J Biomech. 2021 Mar 30;118:110271. doi: 10.1016/j.jbiomech.2021.110271. Epub 2021 Jan 27. PMID: 33567380.
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