PMS Prämenstruelles Syndrom und Sport

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PMS, das Prämenstruelle Syndrom, ist den allermeisten Frauen ein Begriff und viele haben PMS schon am eigenen Leib gespürt. Es ist ein geläufiges Schimpfwort und sogar viele Männer verbinden mit PMS etwas und wenn es nur die eigene schlechtgelaunte Freundin ist. Dennoch wissen die meisten nicht was eigentlich dahintersteckt oder verwechseln andere Zyklusbeschwerden damit. Dabei sollten gerade Sportlerinnen und ihre Coaches die Ursachen und Auswirkungen des Prämenstruellen Syndroms kennen. Denn das Prämenstruelle Syndrom nimmt Einfluss auf die sportliche Leistungsfähigkeit und ist nicht nur in Wettkämpfen, sondern besonders auch im Training zu berücksichtigen.

Das Prämenstruelles Syndrom PMS bezeichnet eine Gruppe von körperlichen und psychischen Beschwerden, die typischerweise in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus nach dem Eisprung auftreten und mit Beginn der Menstruation wieder abklingen. Betroffene erleben häufig emotionale Symptome wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Traurigkeit, innere Unruhe, aber auch körperliche Beschwerden wie Brustspannen, Blähungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Wassereinlagerungen. Als Ursache gilt vor allem das Zusammenspiel hormoneller Schwankungen, insbesondere der Hormone Östrogen und Progesteron (das sog. Gelbkörperhormon), sowie Veränderungen im Gehirnstoffwechsel, etwa beim Botenstoff Serotonin. Eine deutlich stärkere und vor allem psychisch ausgeprägte Form stellt die Prämenstruelle dysphorische Störung PMDS dar (siehe weiter unten). Die Prämenstruelle dysphorische Störung ist vom Prämenstruelle Syndrom zu unterscheiden. Die PMDS sollte in ärztliche Obhut. Das PMS ist primär nichts Krankhaftes sonders ist erst einmal das Ergebnis eines funktionierenden Zyklus. Nicht jede Frau, die einen Zyklus wahrnimmt, hat auch einen Eisprung. Ohne funktionierenden Zyklus mit Eisprung gibt es kein klassisches PMS, auch wenn vergleichbare Symptome innerhalb des Zyklus möglich sind.

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Der klassische 28-Tage-Zyklus und seine Phasen

Der klassische 28-Tage-Zyklus wird in Phasen eingeordnet, wobei sowohl die Länge des Zyklus, als auch die Dauer der Phasen individuell variieren kann. Die Zyklusdauer ist individell unterschiedlich und variiert nicht nur von Frau zu Frau, sondern kann auch von Zyklus zu Zyklus unterschiedlich sein, wobei starke Schwankungen auf (hormonelle) Störungen hindeuten. Als standartisierte und exemplarische Länge dient der 28-Tage-Zyklus, der am Tag der einsetzenden Monatsblutung beginnt und einen Tag vor dem Einsetzen der nächsten Monatsblutung endet.

Menstruationsphase (Tag 1–5, stark individuell)
Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut. Es kommt zur Monatsblutung

Follikelphase (Tag 1–13, individuell und stärker beeinflussbar)
Reifung der Eizelle im Eierstock. Aufbau der Schleimhaut durch das Hormon Östrogen. Die Hormone Östrogen (Östradiol), LH und FSH (Luteinisierendes bzw. Follikelstimulierendes Hormon) steigen an.

Eisprung/Ovulation (Tag 14/13-15)
Hormon LH erreicht Höhepunkt und löst den Eisprung aus. Die Eizelle wird freigesetzt. Auch Hormone Östrogen, FSH, Testosteron zeigen einen mit Peak und fallen danach ab.

Lutealphase (Tag 15–28)
Das leere Eibläschen (Follikel) bildet sich in den Gelbkörper um. Der Gelbkörper produziert Progesteron, welches im Verlauf stark ansteigt (Gelbkörperphase). Es kommt zur Stabilisierung der Gebärmutterschleimhaut und Vorbereitung auf mögliche Schwangerschaft. Bei ausbleibender Schwangerschaft fällt das Hormon Progesteron am Ende ab und es kommt zur Menstruation.

Lutealphase, Eisprung und PMS

Beim Eisprung und in der anschließenden Lutealphase passiert im Zyklus eine klar aufeinander abgestimmte hormonelle Abfolge. Der Eisprung wird durch einen starken Anstieg des sogenannten luteinisierenden Hormons (LH) ausgelöst („Luteinisierend“ stammt vom Lateinischen und heißt sinngemäß: „den Gelbkörper bildend oder unterstützend“.). Dieser sogenannte LH-Peak führt dazu, dass der reife Follikel im Eierstock aufplatzt und die Eizelle freisetzt. Diese wandert dann in den Eileiter und ist dort für etwa 12 bis 24 Stunden befruchtbar. Der zurückbleibende Follikel verändert sich danach strukturell und wird zum sogenannten Gelbkörper. Genau hier beginnt die Lutealphase. Der Gelbkörper produziert nun vor allem Progesteron sowie etwas Östrogen. Progesteron ist dabei das dominierende Hormon dieser Phase. Die Aufgabe des Progesterons ist es die zuvor durch Östrogen aufgebaute Gebärmutterschleimhaut zu stabilisieren, sie besser durchbluten zu lassen und sie „empfänglich“ für eine mögliche Einnistung zu machen. Gleichzeitig wirkt Progesteron im gesamten Körper regulierend auf viele Prozesse, unter anderem auf Temperatur, Schlaf und Nervensystem. Auch das Östrogen (und damit zwangsweise das Testosteron, welches bei der Östrogenproduktion anfällt) steigt zum Ende der Lutealphase wieder leicht an, da es ebenfalls vom Gelbkörper produziert wird und im Falle einer Schwangerschaft funktional wird. Die körperlichen Symptome dadurch sind aber gering und meist nicht spürbar. Wenn eine Schwangerschaft entsteht, produziert der frühe Embryo ein Signalhormon (hCG), das den Gelbkörper erhält. Dadurch bleibt die Progesteronproduktion bestehen und die Schleimhaut wird weiter stabilisiert. Bleibt eine Schwangerschaft hingegen aus, beginnt der Gelbkörper nach etwa 10 bis 14 Tagen zu degenerieren. Dadurch sinken Progesteron- und Östrogenspiegel wieder ab. Dieser Hormonabfall führt schließlich dazu, dass sich die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr halten kann und abgestoßen wird. Dadurch kommt es zur Menstruation und ein neuer Zyklus beginnt.

Das Prämenstruelles Syndrom tritt ausschließlich in der Lutealphase auf und ist definitionsgemäß an einen „ovulatorischen“ Zyklus gebunden, also einen Zyklus mit Eisprung und der sich anschließenden Gelbkörperphase: Nur dann gibt es die typische hormonelle Abfolge mit Progesteronanstieg und -abfall in der zweiten Zyklushälfte und nur dann spricht man klassisch von PMS. Wenn kein Eisprung stattfindet, fehlt diese Gelbkörperphase und damit auch die typische Progesterondynamik. In solchen Fällen können zwar ähnliche Beschwerden auftreten (z. B. Stimmungsschwankungen, Brustspannen oder Unwohlsein), aber diese werden medizinisch nicht als PMS bezeichnet, da sie nicht durch Progesteron verursacht werden, sondern werden als unspezifische zyklusassoziierte oder hormonelle Beschwerden im Rahmen eines anovulatorischen Zyklus (ohne Eisprung) gesehen.

Progesteron und seine Auswirkungen auf den Sport

Das Progesteron, das Gelbkörperhormon, bereitet den Körper nach dem Eisprung auf eine mögliche Schwangerschaft vor und hält diese Vorbereitung stabil, solange eine Schwangerschaft möglich ist. Außerdem sorgt Progesteron dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut weniger stark weiter aufbaut, aber besser durchblutet und funktionell umgebaut wird. Gleichzeitig wirkt es im gesamten Körper „dämpfend“ und regulierend, da eine Schwangerschaft möglich ist. Es beeinflusst das Immun- und Nervensystem, die Körpertemperatur und spielt eine Rolle bei Schlaf, Stimmung und Stressverarbeitung. Je nach individueller Ausprägung kann sich dies im Ergebnis eher positiv oder negativ zeigen.

Da der Embryo bei potentieller Schwangerschaft fremdes Erbgut vom Vater enthält, sorgt Progesteron dafür, dass das Immunsystem modifiziert wird und die fremde DNA nicht angreift. Die veränderte Wirkung tritt zwar hautsächlich in der Plazenta auf, ist aber mehr oder weniger stark im ganzen Körper ausgeprägt. Es kommt zu weniger pro-entzündlichen Signalstoffen (z. B. bestimmte Zytokine), mehr regulierenden und beruhigenden Immunbotenstoffe, sowie einer geringere Neigung zu starken zellulären Abwehrreaktionen. Autoimmunerkrankungen und allergische Reaktionen werden mitunter gedämpft. Die Infektanfälligkeit kann hingegen leicht steigen. Natürlich sind diese Effekte besonders von der Konzentration des Progesterons abhängig und treten vorwiegend in der Schwangerschaft zu Tage. Allerdings können die Auswirkungen auch in der Lutealphase mit Anstieg des Progesterons auftauchen, wenn auch in abgeschwächter Form. Hartes Training oder Wettkämpfe können zu einer sogenannte Leukopenie führen, die oft als Schwächung des Immunsystems angesehen wird. Dies ist jedoch nicht korrekt, denn das Immunsystem wird im eigentlichen Sinne nicht schwächer. Bei dieser durch Sport induzierten Leukopenie wandern bestimmte Immunzellen, Leukozyten, aus dem Blut in tiefergelegenes Gewebe wie Knochenmark oder Darm ab, was die Infektanfälligkeit besonders der Atemwege begünstigt, die immunologische Abwehr im tieferen Gewebe jedoch stärkt. Der Prozess ist medizinisch noch nicht vollständig verstanden, spielt aber in der Radsportpraxis eine Rolle. Für Sportlinnen heißt es sich vor Atemwegserkrankungen besonders zu schützen.

Progesteron wirkt auch im Gehirn. Unter anderem beeinflusst es das GABA-System (Gamma-Aminobuttersäure). GABA ist der wichtigste „bremsende“ Botenstoff im Gehirn, der neuronale Aktivität reduziert und damit beruhigend wirkt. Im Gehirn entsteht Allopregnanolon, das beruhigend wirkt und das Nervensystem stabilisiert. Gleichzeitig funktioniert auch das Serotoninsystem meist relativ ausgeglichen. Stress kann als weniger belastend wahrgenommen werden. Dies darf biologisch so verstanden werden, dass der Körper die Frau daran hindern möchte sich zu überanstrengen oder sich Gefahren auszusetzen, was die potentielle Schwangerschaft negativ beeinflussen könnte. Bei einigen Frauen führt dies aber auch zu anhaltender Müdig- und Schläfrigkeit, was die sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Fällt der Progesteronspiegel und damit der beruhigende Effekt bei Ausbleiben einer Schwangerschaft ab, kann es zu plötzlichem Unwohlsein mit Heißhunger-Attacken kommen. Gerade zum Ende der Lutealenphase sollte auf einen konstanten Blutzucker geachtet werden.

Darüber hinaus wirkt Progesteron direkt auf das Temperaturregelzentrum im Gehirn, dem Hypothalamus. Dort verschiebt es den sogenannten „Sollwert“ der Körpertemperatur minimal (um bis zu 0,5 Grad) nach oben. Der Körper beginnt die Durchblutung der Haut zu verändern, durch geringfügige Verengung von Blutgefäßen (leichte Vasokonstriktion) sinkt die Wärmeabgabe und es bleibt mehr Wärme im Körper. Dies kann die Wärme- und Hitzebelastung während der Sports erhöhen, was besonders bei heißen Umgebungstemperaturen ein Problem werden kann. Umgekehrt kann dies unter kalten Außentemperaturen einen positiven Effekt haben. Im Schlaf muss die Körperkerntemperatur zur Regeneration gesenkt werden, daher ist es in der Lutealphase wichtig für eine kühle Umgebung während des Nachtschlafs zu sorgen. Energie- und proteinreiche Lebensmittel sind in den letzten 2 Stunden vor der Bettruhe eher zu meiden, da sie die Körpertemperatur zusätzlich erhöhen.

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Obwohl viele Forschungsergebnisse darauf hindeuten, dass der Sauerstoffverbrauch, die Herzfrequenz und die subjektive Belastungswahrnehmung bei submaximaler Dauerbelastung nicht vom Menstruationszyklus beeinflusst werden, berichten mehrere Studien von einer höheren kardiovaskulären Belastung bei moderater Belastung in der mittleren Lutealphase MLP bei maximalem Progesteron. Die Ruheherzfrequenz war in der MLP signifikant höher, ohne signifikante Unterschiede zwischen den anderen Zyklusphasen. Dennoch zeigt sich in Studien mitunter keine Veränderung der Zeit bis zur Erschöpfung bei submaximaler Belastungsintensität über den Menstruationszyklus hinweg. Die Aussagekraft dieser Befunde sollte aber laut einiger Wissenschaftler aufgrund der geringen Reproduzierbarkeit der Tests zur Erschöpfungszeit hinterfragt werden. Bei längerem Training unter heißen Bedingungen zeigt sich in der mittleren Lutealphase, wenn die Körpertemperatur erhöht ist, eine Verkürzung der Trainingszeit bis zur Erschöpfung. Somit hat die mittlere Lutealphase durch die erhöhte Körpertemperatur und die potenziell erhöhte kardiovaskuläre Belastung einen potenziell negativen Einfluss auf die Leistung bei längerem Training und längeren Wettkämpfen.

Die wohl wichtigste Auswirkung des Progesterons ist der Einfluss auf den Energiestoffwechsel und die Energieverfügbarkeit. Leider gibt es sehr wenige Studien am Menschen, da z.B. die Gabe extremer Hormondosen oder die Entfernung der Gebärmutter zu Studienzwecken nicht vertretbar ist. Progesteron wird teilweise für die Insulinresistenz während der Schwangerschaft verantwortlich gemacht und trägt möglicherweise zum Ausbruch von Schwangerschaftsdiabetes bei. Man weiß, dass in der Lutealphase mit erhöhtem Progesteron die durch Insulin stimulierte Glukoseaufnahme beeinträchtigt sein kann. Dieser Umstand beeinträchtigt z.B. das Auffüllen der Kohlenhydratspeicher und die Regeneration. Gleichzeitig kann Progesteron auch die durch Muskelkontraktion induzierte Glukoseaufnahme behindern. Kürzlich konnte gezeigt werden, dass die Glukoseverwertung bei gesunden Frauen während des Trainings in der Lutealphase im Vergleich zur Follikelphase verringert ist. Der Grund liegt nahe: der Schutz des sich potentiell entwickelnden Embryos mit einer möglichst guten Energieversorgung hat Vorrang vor der Muskulatur der potentiellen Mutter. Harte Trainingseinheiten sind daher mitunter schwer energetisch zu versorgen und die Regeneration beeinträchtigt. Der Fokus sollte daher im Training auf Einheiten im Fettstoffwechsel liegen.

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Abgrenzung zur Prämenstruelle dysphorische Störung PMDS

Die Prämenstruelle dysphorische Störung PMDS ist eine schwere Form des prämenstruellen Syndroms. Sie tritt ebenfalls in der zweiten Zyklushälfte auf, ist aber vor allem durch stark ausgeprägte psychische Symptome gekennzeichnet, die den Alltag deutlich beeinträchtigen. Typisch sind zum Beispiel starke Konzentrationsprobleme und Stimmungsschwankungen, ausgeprägte Reizbarkeit oder sogar Wut, depressive Verstimmung bis hin zu Hoffnungslosigkeit, Angst oder permanente innere Anspannung. Körperliche Beschwerden wie bei PMS können auch vorkommen, stehen aber weniger im Vordergrund. Im Unterschied zum „normalen“ Prämenstruelles Syndrom ist die Belastung bei PMDS so stark, dass sie Beziehungen, Arbeit oder das tägliche Leben erheblich einschränken kann. Wichtig für die Diagnose ist außerdem, dass die Symptome regelmäßig zyklusabhängig auftreten und nach Beginn der Periode deutlich nachlassen oder verschwinden. Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt, aber man geht davon aus, dass manche Menschen besonders empfindlich auf hormonelle Veränderungen reagieren, insbesondere im Zusammenhang mit Botenstoffen wie Serotonin. Bei der Prämenstruelle dysphorische Störung geht man nicht davon aus, dass einfach „zu wenig“ Serotonin vorhanden ist, sondern dass das Gehirn anders auf Serotonin reagiert, vor allem in der zweiten Zyklushälfte. Die Prämenstruelle dysphorische Störung PMDS sollte ärztlich abgeklärt werden.

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