Zugspitz-Besteigung: Alternativsport für Radfahrer im Herbst

Im September sind die meisten Radsportwettkämpfe beendet und viele Radfahrer lassen die Saison ausklingen. Dabei gibt es noch sommerliche Temperaturen und es bietet sich an mit Wanderstiefeln und Rucksack in die alpinen Regionen aufzubrechen, da der Schnee in höheren Lagen oft abgeschmolzen ist und die ersten Wintereinbrüche oft erst im Oktober eine wieder anhaltende Schneedecke bringen. Ein tolles Ziel ist sicher Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze mit 2962 Metern Höhe. Auf die Zugspitze führen mehrere Routen. Ich habe hier sechs Touren kurz umrissen. Die detaillierteren Beschreibungen anderer Webseiten sind verlinkt. Eine der Touren habe ich 2016 nach meinem ersten Ötztaler Radmarathon gemacht. Diese kann ich besonders ambitionierten Radsportlern sehr empfehlen. Und nun viel Spaß beim Träumen.

Ausblick unterhalb des Gipfels

Alle Wege führen nach Rom bzw. auf die Zugspitze

Der längste Weg auf die Zugspitze führt durch das Rheintal. Viele Wanderer machen die Besteigung in zwei Tagen und übernachten in der Rheintalangerhütte auf gut 1369 Höhenmetern. Bis zur Hütte sind oft auch viele Mountainbiker unterwegs. Die Partnachklamm mit der dahinplätschernden Partnach bietet eine wunderschöne Atmosphäre. Der Anstieg gilt als der leichteste und ist gerade für weniger Bewanderte (was für ein Wortspiel) gut geeignet.

Der beliebteste Aufstieg führt durchs Höllental. Die Aussicht ist spektakulär und der Klettersteig ein Nervenkitzel. Die Beliebtheit führt jedoch dazu, dass es auf den Wegen und im Klettersteig schnell eng wird, weshalb viele Bergbegeisterte die Tour am Wochenende meiden.

Berühmt berüchtigt ist der Jubiläumsgrad, über den man sich von Osten her der Zugspitze nähert. Das teils freie Klettern ohne Sicherung am ausgesetzten Fels ist nur etwas für geübte Bergsteiger. Regelmäßig verunglücken dort Menschen tödlich.

Von Westen her gibt es ebenfalls einen anspruchsvollen, wenn auch nicht so schwierigen Anstieg. Er führt von Ehrwald über die Wiener- Neustädter-Hütte zum Gipfel. Dabei ist der kurze Anstieg sehr steil und es gibt Kletterpassagen ohne Versicherung und einen regulären Klettersteig, den Stopselzieher-Klettersteig.

Die Kletterroute Eisenzeit wurde erst vor wenigen Jahren wieder zugänglich gemacht und führt durch die Nordwand. Es ist eine Kombination aus kombinierte Klettersteig und Kletterroute, welche ausschließlich von sehr geübten Bergsteigern genutzt werden sollte! Aufgrund von Steinschlaggefahr in einigen Abschnitten, ist ein Helm quasi Pflicht. Die Tour nutzt Teile der Route der Erbauer der Eibsee Zahnradbahn.

Meine Empfehlung für Radsportler: die Gatterl-Tour

Der letzte und sechste Weg zum Gipfel führt über die Landesgrenze zwischen Österreich und Deutschland via das Gatterl. Daher wird die Tour oft auch Gatterl-Tour genannt. Das Gatterl ist eine Tür des Grenzübergangs. Dabei gibt es die Tour sowohl von Deutschland nach Österreich, als auch umgekehrt. Für „normale“ Bergwanderer wird die Tour mit Nutzung zweier Bergbahnen angeboten. Das eine davon ist die Zugspitzbahn und das zweite die Ehrwaldbahn. Bei der Tour von der deutschen Seite ins österreichische Ehrwald, führt die Route fast immer bergab. Die am meisten begangene Version ist die Tour mit Start in Ehrwald. Wer die gemütlichere Tour mit Nutzung der Ehrwaldalmbahn begehen will, findet eine Beschreibung hier.

Grenzübergang Österreich-Deutschland übers Gatterl

Auf der Plattform Komoot wird die Gatterl-Tour ohne Bahn beim Aufstieg als: „Schwere Wanderung. Sehr gute Kondition erforderlich. Gute Trittsicherheit, festes Schuhwerk und alpine Erfahrung notwendig“ ausgewiesen. Die Gehzeit wird mit über 7 Stunden veranschlagt. Der GPS-Track lässt sich bei Komoot herunterladen.

Die Gatterl-Tour war für mich eine spontane Entscheidung nach optimalem Wetter. Der Aufstieg von Ehrwald ist teils steil, insbesondere dort wo auch die Ehrwalder Almbahn verläuft. Dies bietet jedoch die Möglichkeit bei entsprechender Kondition, die Gehzeit erheblich zu verkürzen. 400 Höhenmeter sind dabei in einer Stunde im Grundlagentempo machbar. Bei entsprechendem Tempo/Kondition kann die Tour am späten Vormittag gestartet werden, wodurch man bei der Anreise den Hauptverkehr umgehen kann. Da im Herbst die Tage kürzer werden und man in den Bergen immer einen zeitlichen Puffer benötigt, muss man sich beim Abstieg sputen oder – wie es üblich ist – die Seilbahn zur Abfahrt nutzen (Achtung: letzte Talfahrt ist am Nachmittag). Da ich steile und lange Abstiege gerne vermeide, da die Knie nicht unerheblich belastet werden, habe ich die Möglichkeit der Abfahrt mit der letzten Zugspitz-Seilbahn gewählt.

Kletterei knapp unterhalb der Zugspitze

Die Tour findet ihr auf meinem Strava-Account (hier). Ausgangspunkt war die Talstation der Ehrwalder Almbahn. Der Weg war gut zu finden und war teils beschildert. Für den Aufstieg habe ich 5 Stunden Gehzeit benötigt. Insgesamt waren gut 2000 Höhenmeter zu bewältigen. Kurz vor dem Gatterl ging es auf einem Sattel kurz etwas bergab und dann in einen kurzen Gegenanstieg von wenigen Höhenmetern. Auf der Knorrhütte gabs eine Dreiviertelstunde Pause für ein Stück Kuchen. An letzten Gletscherresten vorbei führte die Tour zum steilen Geröllfeld unterhalb des Gipfels. (Das Geröllfeld hätte sich durch Nutzung der Gletscher-Seilbahn umgehen lassen.) Nach dem Geröll wartete noch leichte Kletterei mit Drahtseilversicherung und ich erreichte bald den Gipfel. Mit der letzten Zugspitzbahn ging es hinunter ins Tal. Mit dem Bus fuhr ich anschließend zurück zum Parkplatz.

Route der Tour auf Strava

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